„Das ist sehr bitter für mich“ – Bischof Dr. Franz Jung bei Abschluss der ersten Phase der Aufarbeitung in Höchberg enttäuscht von Bischof em. Dr. Friedhelm Hofmann

Die erste Phase der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in der Pfarreiengemeinschaft Mariä Geburt und St. Norbert Höchberg ist abgeschlossen. Seit Oktober 2025 hatte ein Prozessteam aus Vertretern der Gemeinde und des Bistums Würzburg die Geschehnisse rund um die Tatvorwürfe gegen den 2017 verstorbenen Pfarrer rekonstruiert und offene Fragen geklärt.

Bei einer Informationsveranstaltung am 2. März in der Höchberger Kulturscheune mit rund 100 Teilnehmern berichtete das Prozessteam über die Ergebnisse. Enttäuscht zeigten sich Bischof Dr. Franz Jung und viele Gemeindemitglieder von Bischof em. Dr. Friedhelm Hofmann, der sich nach ihrer Einschätzung nicht ausreichend zu seiner persönlichen Verantwortung für den Umgang mit den 2010 erstmals gemeldeten Vorwürfen bekennt. „Das ist sehr bitter für mich“, betonte Bischof Jung.

Der Fall war in der Pfarreiengemeinschaft erst nach Veröffentlichung des Missbrauchsgutachtens vom April 2025 bekannt geworden, erklärte Christina Gold vom Pfarrgemeinderat. Die Gemeinde sei 2010 von der damaligen Bistumsleitung nicht über die Vorwürfe informiert worden.

Die Arbeit des von Bischof Jung eingesetzten Prozessteams stellten Ordinariatsrätin Kathrin Pfeil und Bischöflicher Referent Kilian Martin vor. Vertreter der Gemeinde brachten vor allem Fragen und Kritik aus der Pfarrei ein, während die Vertreter des Bistums organisatorische Abläufe rekonstruierten und Hintergründe erläuterten. Ziel war es unter anderem, Verantwortlichkeiten zu klären, das Verhalten der Bistumsleitung zu analysieren und mögliche Betroffene zur Meldung zu ermutigen. Die Recherchen ergaben, dass die Bistumsleitung spätestens seit 2010 von zwei Betroffenen wusste. Warum dennoch keine Maßnahmen ergriffen wurden, blieb nach Angaben des Prozessteams ungeklärt. Auch sei die Gemeinde nicht informiert worden. Weitere offene Fragen betreffen unter anderem die Ernennung des beschuldigten Priesters zum Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft im Jahr 2010 sowie seinen weiteren Verbleib im Pfarrhaus nach der Versetzung in den Ruhestand 2011. Im Verlauf der Arbeit wurde zudem bekannt, dass im Dikasterium für die Bischöfe in Rom ein Verfahren zur Überprüfung der Amtsführung von Bischof Hofmann anhängig ist. Vertreter der Gemeinde baten das Dikasterium zusätzlich schriftlich um eine Prüfung seines Umgangs mit dem Fall.

In einer Videobotschaft erklärte der 83-jährige emeritierte Bischof Hofmann, er bedauere, dass die Vorwürfe während seiner Amtszeit nicht ausreichend bearbeitet worden seien, und räumte Fehler ein. Zugleich verwies er darauf, dass die Taten zum Zeitpunkt ihres Bekanntwerdens bereits verjährt gewesen seien und andere kirchenrechtliche Rahmenbedingungen gegolten hätten. Er bat um Entschuldigung und kündigte an, sich für die Gründung einer Stiftung für Betroffene sexualisierter Gewalt im Bistum Würzburg einsetzen zu wollen.

Bischof Jung bezeichnete die Stellungnahme seines Amtsvorgängers als „vertane Chance“. Er hätte sich ein klareres Bekenntnis zur persönlichen Verantwortung und daraus folgende Konsequenzen gewünscht. Zugleich betonte er: „Ich bin nicht der Richter Bischof Friedhelms.“ Seine Aufgabe sehe er darin, den weiteren Aufarbeitungsprozess zu begleiten. „Ich trage keine persönliche Verantwortung für die Vergangenheit, aber die institutionelle Verantwortung für das Gelingen der Aufarbeitung.“ Weiter gestand Bischof Jung in seinem Statement ein, von den Entwicklungen in Höchberg überrollt worden zu sein. Vom Ort her habe die Bistumsleitung damit gerechnet, dass Aufarbeitungsbedarf in einem akuten Fall angemeldet werde. „Das war eine Fehleinschätzung meinerseits.“ Vom Prozess her gebe es für diese lokalen Aufarbeitungsprozesse noch keine Vorlage. Das Bistum stehe hier in einem Lernprozess. Froh zeigte sich Bischof Jung darüber, dass die Leitlinien der Unabhängigen Bundesbeauftragten gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen (UBSKM) ab Juni 2025 eine Orientierungshilfe für das Prozess-Design böten. Ganz wichtig sei Bischof Jung jetzt, trotz der Lücke in der fehlenden Verantwortungsübernahme die zweite Phase der Aufarbeitung zu beginnen. Mitglieder des Prozessteams aus der Gemeinde äußerten sich ebenfalls unzufrieden zu dem Statement von Bischof Friedhelm.

Das Ziel einer klaren Verantwortungsübernahme sei nicht erreicht worden, sagte Pfarrgemeinderatsvorsitzende Gudrun Walther. Das Ergebnis sei für viele Beteiligte unbefriedigend und enttäuschend. Wie die Aufarbeitung jetzt weitergehe, erläuterte Generalvikar Dr. Jürgen Vorndran. In einer zweiten Phase gehe es um die Verarbeitung der emotionalen Lage vor Ort mit dem Ziel, Menschen in der Gemeinde seelsorglich zu begleiten. Hier sei das lokale Prozessteam verantwortlich, von Seiten des Bistums werden Kräfte aus der Supervision und der Ehe-, Familien- und Lebensberatung zur Verfügung gestellt. In der dritten Phase wolle man aus der Krise lernen und konkrete Präventionsmaßnahmen entwickeln. Schließlich gehe es in Phase vier um Veränderung und Reinigung der Erinnerungskultur. Bischof Jung werde sich dann wieder in den Prozess als Verantwortlicher einbringen.

In der Woche nach der Informationsveranstaltung in Höchberg gab Bischof em. Dr. Friedhelm Hofmann bekannt, dass er als sichtbares Zeichen seiner persönlichen Verantwortungsübernahme den Titel des Ehrendomherrs an der Kathedrale von Würzburg zurückgibt. Text: POW/Christina Gold, Foto: POW